Alles ist verflochten

Messingbohrer

Der Messingbohrer ist ein Spezialist unter den Bohrern und in der Werkstatt für alle Löcher zuständig, die sauber und gratfrei sein müssen. Weil das Material Messing weich ist, verrutscht der Bohrer nicht auf der Oberfläche und hinterlässt kaum Grate am Bohrlochrand. Gerade bei weichen Werkstoffen wie Messing, Kupfer, Aluminium oder Leder ist das ein großer Vorteil: Ein Bohrer aus gehärtetem Stahl würde in weichem Material haken, das Loch ausleiern und am Rand einen unsauberen Grat ziehen. Der Messingbohrer dagegen gleitet gleichmäßig durch das Material und schneidet ein rundes, sauberes Loch.

Der Aufbau des Messingbohrers unterscheidet sich in Details von einem normalen Stahlbohrer. Die Spitze hat einen Spitzenwinkel von hundertachtzehn Grad, der für weiche Materialien optimal ist – härtere Materialien brauchen einen größeren Winkel, weichere einen kleineren. Die beiden Schneiden sind symmetrisch geschliffen, damit der Bohrer zentriert läuft und das Loch nicht eiert. Die Spiralnut, die die Späne abführt, ist bei einem Messingbohrer etwas flacher ausgeführt als beim Stahlbohrer, damit die weichen, langen Späne nicht in der Nut verklemmen. Der Schaft ist aus dem gleichen Material und wird im Bohrfutter gespannt.

Die Anwendung des Messingbohrers erfordert etwas Gefühl für Drehzahl und Vorschub. Weil das Material weich ist, darf die Drehzahl höher sein als bei Stahl, aber der Vorschub muss gleichmäßig sein, damit die Schneide nicht „einzieht". EinZiehen bedeutet, dass der Bohrer plötzlich tiefer in das Material greift als beabsichtigt, weil die Schneide im weichen Material hakt – das Loch wird dann konisch oder das Werkstück reißt aus. Um das zu verhindern, wird das Werkstück fest eingespannt, der Bohrer scharf gehalten und mit gleichmäßigem, mäßigem Druck gearbeitet. Bei Leder oder sehr weichem Messing kann es helfen, das Werkstück auf eine Holzunterlage zu legen, damit der Bohrer beim Durchtritt nicht ausfranst.

In der Werkstatt wird der Messingbohrer vor allem für drei Aufgaben eingesetzt: für Löcher in Messingteile, etwa für Nieten, Schrauben oder Ziernägel; für Löcher in Leder, zum Beispiel für die Nähte an Riemen und Dichtungen; und für Löcher in Holz, wenn eine besonders saubere Kante gewünscht ist. Bei Holz ist der Messingbohrer allerdings nur bedingt geeignet, weil er schneller stumpf wird als ein Stahlbohrer – für Holz werden deshalb eigene Holzbohrer verwendet. Der Messingbohrer bleibt Messing, Leder und ähnlichen weichen Werkstoffen vorbehalten, wo seine Stärke ausgespielt werden kann.

Damit der Messingbohrer lange scharf bleibt, wird er nach Gebrauch gereinigt und leicht eingeölt. Die Späne in der Spiralnut werden mit einer Bürste entfernt, und die Schneiden werden auf Beschädigungen geprüft. Ein kleiner Kratzer an der Schneide reicht, um das Bohrloch unsauber werden zu lassen. Kleinere Schäden lassen sich mit einem Schärfstein von Hand nachschleifen: Der Bohrer wird schräg gegen den Stein gehalten, und die Schneide wird mit gleichmäßigem Druck über die Steinoberfläche gezogen, bis sie wieder scharf ist. Dabei muss darauf geachtet werden, dass beide Schneiden gleich lang bleiben und der Spitzenwinkel erhalten bleibt, sonst läuft der Bohrer unrund.

Ein besonderer Trick beim Bohren in Leder ist das Vor­loch mit einem Körner. Bevor der Messingbohrer angesetzt wird, wird mit einem spitzen Körner eine kleine Vertiefung in das Leder geschlagen. Diese Vertiefung führt die Spitze des Bohrers und verhindert, dass er auf der glatten Lederoberfläche wegrutscht. Gerade bei dicken Lederschichten, wie sie für Riemen verwendet werden, ist das wichtig, denn ohne Vorloch würde der Bohrer seitlich abwandern und das Loch an der falschen Stelle landen. Nach dem Körnen wird der Bohrer senkrecht angesetzt und mit gleichmäßigem Druck durch das Leder gedreht.

Der Messingbohrer wird im Werkzeugschrank in einer eigenen Schublade aufbewahrt, getrennt von den Stahlbohrern. Dort liegt er in einem Holzkästchen mit Fächern, eins pro Durchmesser, damit die Schneiden nicht gegeneinander schlagen. Die gängigen Durchmesser in der Werkstatt sind drei, vier, fünf, sechs und acht Millimeter – damit lassen sich die meisten Verbindungen in Messing und Leder herstellen. Für größere Löcher wird eine Lochsäge verwendet, für kleinere eine Ahle. Der Messingbohrer deckt also den mittleren Bereich ab und ist damit das flexibelste Werkzeug für saubere Bohrungen.

Die Kombination aus Messingbohrer und Feilen-Set ist in der Werkstatt Alltag: Zuerst bohrt der Messingbohrer das Loch, dann wird mit der runden Feile die Innenkante geglättet, falls doch ein kleiner Grat entstanden ist. So entsteht ein Loch, das nicht nur sauber aussieht, sondern auch funktional ist – Schrauben sitzen fest, Nieten halten, und nichts wackelt. Diese Sorgfalt im Detail unterscheidet ein gutes Werkstück von einem hastig gemachten, und genau darauf kommt es in der Werkstatt an.

Hinweis: Dieser Test-Text wurde von Mistral Vibe (KI-Assistent) erstellt.